Beratungsklau: Es gibt Menschen …

Jeder dritte Deutsche begeht inzwischen den sogenannten „Beratungsklau“, aber was ist das? Es gibt Menschen, die gehen in ein Bekleidungsgeschäft, lassen sich beraten und probieren stundenlang Sachen an. Wenn sie dann ihr perfekt passendes neues Lieblingsstück gefunden haben, kaufen sie es nicht. Sie fotografieren sie das Etikett und bestellen das gleiche Teil etwas günstiger bei Otto oder Zalando. Es gibt Menschen, die lassen sich in der KFZ-Werkstatt ein Angebot für einen Umbau erstellen. Dann kaufen sie anhand der Materialliste die Teile für ein paar Euro günstiger bei Ebay und probieren sich selbst an der Umsetzung. Es gibt Menschen, die lassen sich Werkzeuge im Baumarkt oder Geräte im Elektronik-Fachhandel vorführen, bis sie das richtige gefunden haben. Bestellt wird das gute Stück zum günstigsten Preis via Idealo.

Die Fachgeschäfte leiden mehrfach unter diesem Beratungsklau. Das Fachwissen haben sie sich durch Aus- und Weiterbildungen und jahrzehntelange Erfahrung zugelegt. Dafür haben sie mit Zeit und Geld bezahlt. Durch den Online-Handel und eine gewisse „Geiz-ist-Geil-Mentalität“ haben sie ohnehin schon mit starken Einbußen zu kämpfen. Nun wird ihnen zusätzlich wertvolle Zeit gestohlen. Klar haben die meisten „…nur mal eine kurze Frage..“, aber auch das summiert sich oft zu mehreren Stunden am Tag.

Genau anfangs genannten Menschen trauern dann dem geschlossenem Bekleidungsfachgeschäft nach. Meist verstehen diese Menschen auch nicht, warum sie in der KFZ-Werkstatt oder im Fachgeschäft nicht mehr so freundlich empfangen werden. Diese Menschen haben leider nicht verstanden, dass Fachberatung und Online-Dumping-Preise nicht zusammen funktionieren. Der Internethändler beschäftigt gerne ungelerntes Personal, zahlt keine Steuern in Deutschland oder der EU und hat billige Mietkosten im Nirgendwo. Dem Fachberater kostet das Geschäft Geld, er zahlt Steuern, Miete und vieles mehr. Sie können daher mitbestimmen, wie Sie in Zukunft einkaufen wollen: Gut oder Günstig. Beratungsklau funktioniert nämlich nicht mehr, wenn der letzte Fachmann schließen musste.

Maik Sandmüller, Fachinformatiker und Sachverständiger für Datenschutz

Dieser Beitrag gehört zur Kolumne „Computerprobleme“, die regelmässig im Unstrut-Echo erscheint.

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