Der Datenklau von Berlin ist gerade deshalb so interessant, weil er schön zusammenfasst, was der aktuelle Stand der digitalen Kriminalität ist. Bei dem Datenklau wurden 1,4 Millionen, zum Teil hochsensible Daten gestohlen und anschließend veröffentlicht. In dem 5,8 Terabyte großem Paket befinden sich u.a. Benutzernamen und Passwörter der Berliner Verwaltung, Grundrisse von Haftanstalten, Heizkraftwerke für Krankenhäuser, Tanklager, Notstromanlagen, Umspannwerke und teilweise auch Rüstungsunternehmen.
Geklaut wurde es von und mit Rhysidia – das ist der Name einer Hackergruppe und der Software, die sie vermietet. Ja, man kann so etwas inzwischen mieten, wie ein Taxi – überall im Darknet gibt es solche Angebote. Rhysidia wurde bereits 2023 gegen die Hochschule Kaiserslautern und gegen die Britische Nationalbibliothek eingesetzt und 2025 sogar gegen die Server der Welthungerhilfe. Dabei geht es nur ums Geld. Die Systeme werden gehackt, die Daten kopiert und die Originale gelöscht. Nur gegen die Zahlung eines Lösegeldes gibt es die Daten zurück. Berlin sollte 30 Bitcoin zahlen, was ca. 2 Millionen Euro entspricht – ein relativ geringer Preis für diese umfangreichen Daten.
Der Berliner Senat weigerte sich jedoch, das Lösegeld zu zahlen. Daraufhin wurde alles geleakt – also im Internet veröffentlicht, so dass jeder Zugang dazu hat. Jetzt kann sich also jeder Arbeitszeugnisse, Beurteilungen, Personalakten und Zugangsdaten der Berliner Verwaltung anschauen. Natürlich hätte der Datenklau von Berlin verhindert werden können denn die Defizite waren bekannt. Bereits 2023 warnten Sicherheitsexperten vor der desolaten Lage, trotzdem hat Berlin 2024 beschlossen, die Ausgaben für die IT-Dienstleister um 50 Prozent, also auch um genau 2 Millionen zu kürzen. Stattdessen wurden Millionen in Massenüberwachung und Gesichtserkennung investiert, aber nicht in die Sicherheit dieser und anderer Daten.

Maik Sandmüller, Fachinformatiker und Sachverständiger für Datenschutz
Dieser Beitrag gehört zur Kolumne „Computerprobleme“, die regelmässig im Unstrut-Echo erscheint.
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Ransomware-as-a-Service (RaaS) bei Wikipedia
Das BSI zum Thema auf Tagesschau.de
Der Sicherheitsexperte Manuel Atug zum Thema auf Heute.de
BR.de zu den Folgen des Datenhacks